An(ge)dacht Juli 2010
Fast wie im richtigen Leben oder: Wenn, ja wenn...Gedanken zum Spektakel am Kap der guten Hoffnung
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| Vor kurzem im Wartezimmer eines Arztes las ich einen Artikel über die Berechnungen von Flugbahnen von Fußbällen. Wenn ein Ball aus einer bestimmten Art und aus bestimmten Material gefertigt ist, wenn er an einer bestimmten Stelle mit einem bestimmten Fuß (rechts oder links bietet sich an) mit einer bestimmten Fußhaltung und einer bestimmten Kraft und Schnelligkeit getroffen wird, wenn die Körperhaltung des Schützen in einem bestimmten Winkel zum Fußball steht, wenn möglicherweise Wind mit einer bestimmten Stärke aus einer bestimmten Richtung weht, dann... Wenn, ja wenn... Ganz schön viele "Wenns". Und genau so viele "bestimmte" Bedingungen. Also eigentlich ziemlich unwahrscheinlich und eingeschränkt, dass dieser Fall eintritt. Aber, ich vermute, dass das dem Schützen in dem Moment reichlich egal ist. Im gleichen Artikel war zu lesen, dass Fußball wesentlich interessanter und spannender sei als z.B. Hallenhandball; weil das Ergebnis eines Spieles nicht vorhersagbar ist. Im Handball fallen mehr Tore, ca. 50 in einem Spiel. Aber genau das ist der Punkt. Das Verhältnis der Anzahl der Tore zur Spielzeit bevorteilt dort die starken Mannschaften. Sie können ihre Stärken besser und effektiver einsetzen. Im Fußball gelingt es statistisch gesehen bei Spielen mit Ausscheidungscharakter immer wieder unterklassigen Teams, dem vermeintlichen Favoriten ein Bein zu stellen. Das macht den Ausgang eines Spieles unvorhersehbar und übt einen starken Reiz auf den Zuschauer aus. Sicher, wenn alles normal läuft, gewinnt das Team, von dem ich es erwarte. Wenn, ja wenn... Ganz schön viele "Wenns". Joachim Löw, der deutsche Bundestrainer wird vor der WM mit den Worten zitiert: "Wir haben alles gut gemacht. Besser geht nicht." Die Trainerteams aller Mannschaften haben wohl alles erdenkliche getan, um die Mannschaften optimal vorzubereiten. Die Auswahl der Spieler, taktische Maßnahmen, technische Feinheiten, die Umgebung, das Hotel, der Trainingsplatz; alles wurde präpariert für den großen Event, der hoffentlich zum Ziel, dem Er-folg führt. Doch wie sagte Franz Beckenbauer, der Kaiser: "A bisserl a Glück brauchts a." Wenn, ja wenn... Und wir sehen, Fußball oder die Weltmeisterschaft ist fast so wie das richtige Leben. Als Kinder haben wir das Ziel, größer zu werden, damit wir mehr dürfen. Als Schulkinder wollen wir erst mal die Schule schaffen. In der dann folgenden Ausbildung oder dem Studium wollen wir erst mal den Abschluss haben und dann, ja dann geht es ans Geld verdienen, ans Leben, an und in den Erfolg. Wir wähnen uns gut präpariert und optimal vorbereitet. Wenn, ja wenn... Und oft müssen wir erkennen, dass wir alles mögliche und gute getan haben für den sich hoffentlich einstellenden Erfolg und es misslingt! Der Schul- oder Berufsabschluss gelingt nicht so gut wie erhofft, Arbeitslosigkeit belastet das Leben, die Familie lebt sich auseinan-der, Krankheiten kommen hinzu, Geldnöte vielleicht. Es passiert so viel in einem Menschenleben, das nicht planbar ist, und alle guten Vorsätze zum Scheitern verurteilt; Wenn, ja wenn... Doch lassen Sie uns dabei nicht stehen bleiben. Fußball ist trotz aller Wichtigkeit nur ein Spiel. Auch wenn Niederlagen als tragisch empfunden werden: es ist und bleibt ein Spiel. Doch um wie viel schwerer können sich Niederlagen im Leben eines jeden einzelnen Menschen auswirken? Es wäre tragisch, wenn es dabei bleiben würde. Wenn, ja wenn... Wenn da nicht diese Hoffnung wäre. Mal als kleines Flämmchen kaum wahrzunehmen und mal (vielleicht viel zu selten) als strahlendes Licht. Diese Hoffnung auf ein umfassendes "heilsein"; auf ein Einssein mit sich und der Umwelt. Diese Hoffnung auf ein eingebettet und behütet sein in die Allgegenwart des Lebens. Diese ewig brennende Hoffnung. Ich sage, diese Hoffnung auf Gott. Ich bin der festen Überzeugung: es liegen Welten zwischen dieser Hoffnung und der Hoffnung auf eine gelungene Fußball-Weltmeisterschaft. Und doch: im Fußball ist es fast wie im richtigen Leben. Ich wünsche Ihnen viel Freude bei den noch kommenden Spielen der Fußball-WM und die Gewissheit der Gotteshoffnung, denn: Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid. (Epheser 1, 18) |
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Henry Wörmcke, Diakon im Ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen |
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