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An(ge)dacht Februar 2007

Zum Valentinstag

Die länger werdenden Tage jetzt Anfang Februar erreichen ihr Gemüt nicht.
Zu schwer lastet das Schweigen der letzten Wochen auf ihr.
Er meldet sich nicht mehr.
"Du hast mich in meinen Träumen besucht,
doch die Leere, die zurückbleibt, als du gingst,
war Wirklichkeit."
Diese wenigen Sätze von E. Cardenal spiegeln den Schmerz ganzer Tage und Nächte. Sie hangelt sich so durch, hofft, dass sie es schafft.
Am 14. Februar prahlen die Arbeitskolleginnen während der Teepause mit den bombastischen Rosensträußen, die ihre Männer ihnen bereits morgens auf den Frühstückstisch gestellt haben. Sie würgt die aufsteigenden Tränen mit einem großen Bissen ihres Pausenbrotes herunter. Es geht. Sie schafft den Tag.
Als sie abends den Schlüssel in das Schloss ihrer Haustür steckt, übersieht sie die kleinen Krokusse auf dem Tritt unter dem Klingelschild fast, Sie müssen dort schon seit geraumer Zeit liegen, denn sie sind bereits welk.
Sie hebt sie auf und sieht den kleinen Umschlag. Er hängt an dem Bändchen, mit dem der Strauß zusammengebunden ist. Ihr Name steht drauf. Es ist seine Schrift.
Sie öffnet den Umschlag in der Küche mit dem Schälmesser. Nimmt den kleinen Zettel heraus und liest, noch im Mantel stehend:

Was es ist
Es Ist Unsinn
Sagt die Vernunft
Es ist was es ist
Sagt die Liebe
Es ist Unglück
Sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
Sagt die Angst
Es ist aussichtslos sagt die Einsicht
Es ist was es ist sagt die Liebe
Es ist lächerlich
Sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
Sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
Sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
Sagt die Liebe
(E. Fried)

Bevor sie sich auf das Sofa legt, steckt sie die müden Krokusse noch eben ins Wasser. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, liegt sie dort noch immer. In ihren Kleidern. Sie richtet sich auf. Die Rückenschmerzen scheinen ihr heute eine Pause zu gönnen. Trotz der Nacht auf dem Sofa.
In der Küche fällt ihr Blick auf die Krokusse.
Sie haben sich erholt.
Die Durststrecke hat sie nicht beschädigt.

Pastorin Anke Well, Klinikseelsorgerin im Hospiz an der Lutter
und im Ev. Krankenhaus Göttingen-Weende

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