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An(ge)dacht April 2007

Der Traum – die Wahrheit

In einer jüdischen Geschichte träumt Rabbi Eisik, er müsse nach Prag zur Karlsbrücke an der Stadtseite gehen und könnte dort einen großen Schatz finden. Er schiebt den Traum beiseite, aber dieser kehrt immer wieder. Schließlich überredet ihn seine Frau, doch zu gehen, schaden könne es ja nicht. In Prag angekommen, begibt er sich zur Brücke, doch die ist schwer bewacht, an Grabungen nach dem Schatz keinesfalls zu denken. Ein paar Tage streicht Rabbi Eisik in der Nähe der Brücke umher. Schließlich fällt er dem Hauptmann der Wache auf, der ihn fragt, was er denn immer hier wolle. Der Rabbi erzählt von seinem Traum, und der Hauptmann grinst immer breiter. "Einen Schatz? Hier? Dass ich nicht lache! Wenn ich meinen Träumen folgen würde, dann hätte ich schön längst in ein kleines Dorf gehen und bei einem Rabbi Eisik unter dem Ofen graben müssen und dort einen längst vergessenen Schatz heben! Das träume ich seit Tagen, aber ich bin doch nicht so verrückt, wegen eines Traumes loszugehen!" Der Rabbi bedankt sich höflich, kehrt schnellstmöglich heim und gräbt den Schatz aus. Von ihm können er und seine Frau leben, den Kindern viel vererben und sogar ein Bethaus bauen.

Träume, wenn sie wahr wären... Karfreitag und Ostern zeigt sich für mich, dass Christentum, Glaube und Kirche etwas zu bieten haben. Wie verrückt ist so eine Geschichte: Ein völlig Unschuldiger wird schrecklichstmöglich hingerichtet, bloß weil Neider und Machthungrige es nicht ertragen, dass er Menschen in vielerlei Weise hilft und diese ihn deshalb für Gottes Sohn halten. Gut, so etwas kommt vor, unschuldige Opfer und religiöse Überhöhungen gibt es. Aber dass Gott ihn dann noch von den Toten auferweckt haben soll, dass sein Grab leer gewesen sein soll, dass seine Anhänger ihn gesehen, Frauen mit ihm gesprochen, gar jemand ihn berührt haben soll? Wie unsinnig erscheint das?

Träume, wenn sie wahr werden... Der Bericht von Jesu stellvertretendem Leiden und seiner Auferstehung hat eine enorme Wirkung entfaltet. Die diesen Bericht für wahr hielten, haben Kraft zum Weiterleben erhalten. Ihr Traum eines mit Gott versöhnten Lebens ohne Angst vor dem Tod war wahr geworden. Die Menschheits- und Kirchengeschichte hindurch hielt diese Wirkung an: Von den Begräbnisgesellschaften der ersten christlichen Gemeinden bis zu den Trauergesellschaften heute, von Märtyrern bis zu denen, die "alt und lebenssatt im Kreise ihrer Lieben" versterben, von Bettlern bis zu Kaisern und uns "Normalos" vor dem Computerbildschirm ist es wahr geworden: Das Leben kann versöhnt mit Gott geführt werden, und der Tod selbst muss nicht der endgültige Schrecken sein. Vielmehr: Aus der Versöhnung mit Gott und der gewissen Hoffnung auf ein Leben bei Gott kann Kraft erwachsen für ein liebevolles Leben. Graben wir diesen Schatz aus, entgegen allen Spöttern. Und leben wir davon, zu ihrem und unserem Nutzen.
Andreas Ohlemacher, Pastor in Friedland

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