An(ge)dacht August/September 2007 |
Eintauchen in das Sterben |
| Ich laufe den Waldweg hinunter. Mit dem Ende des Waldes schaue ich in das offene Tal. Kann gerade noch bremsen, denn vor mir ist die Seitenmauer einer Talsperre, in die ich mit vollem Schwung gelaufen wäre. Ich sehe hinunter. Ein Kiesstrand liegt tief unter mir und gleich danach beginnt das Wasser des Stausees. Weit springen müsste man und sehr flach eintauchen, damit man nicht zu Tode stürzt. Da ist jemand hinter mir, der bedeutet, dass das Springen notwendig ist. So geht es mit einem Kopfsprung hinab. Werde ich im flachen Uferbereich zerschellen? Im brausenden Stürzen die Haltung korrigieren und dann eintauchen. Das Eintauchen gelingt. Ohne Spritzer, ohne Schmerz. Das Wasser umschmeichelt mich warm. Die Klarheit des Wassers hat mich getäuscht. Das Ufer ist steiler, als von oben erwartet. Ich genieße das Hinabgleiten. Dann der Wendepunkt. Aufwärts geht's wieder. Du bist tiefer eingetaucht als gedacht schießt es mir durch den Kopf. Die Luft wird knapp. Nur kein Wasser atmen. Da, mit dem Auftauchen an die Oberfläche mit dem letzten Tropfen Sauerstoff wache ich auf. Ein Traum es war ein Traum und ich habe tatsächlich die Luft angehalten und bin dadurch aufgewacht. Aus der Realität eines Traumes bin ich in die Gegenwart der Realität aufgewacht. So wie der Philosoph Wust es ausdrückt: Aus dem Wirklichkeitstraum durch Ungewissheit und Wagnis in den Wirklichkeitsraum der Geborgenheit in Gott. Oder wie die Bibel es beschreibt: Wir sehen in einem dunklen Spiegel ein dunkles Wort, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann werde ich erkennen, so wie ich erkannt bin. Ist so Sterben? Ich weis es nicht, doch wenn der Traum und Gottes Wirklichkeit so nah beieinander liegen, wäre Sterben wenn es so weit ist ein mögliches Wagnis, das ohne Angst gegangen werden kann. |
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Klaus Bendig, Diakon in der Stephanusgemeinde Göttingen
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