An(ge)dacht November 2007 |
Aufstehen: aufrecht gehen |
| Das ist schon eine Zeit her, als am "Juzi" in der Bürgerstraße ein großes Transparent hing. Ich musste zu ihm immer hinsehen, denn es zeigte die Evolution des Menschen: Am Ende geht er aufrecht. Ich hätte übrigens auch nach oben gesehen. Nein, es war nicht der Himmel, der sich aufgetan hatte, sondern die Kirchendecke. Und es waren auch keine Engel, die von oben herunter schwebten, sondern es war der Gichtbrüchige, von seinen vier Begleitern heruntergelassen. So ist Diakonie. Solidarisch, phantasievoll und stark. Übrigens sieht Jesus darin den Glauben. Ich würde ganz schön überrascht aussehen, weil das, was Jesus dann sagt, nicht zu erwarten ist, jedenfalls nicht von Seiten der kirchlichen Konvention her. Er findet nicht jene einfühlsamen, teilnehmenden und aufmunternden Worte, äußert nicht einmal die Betroffenheit. Er sagt: "Mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben". Damit deckt er die Tiefe der Existenz auf. Denn Sünde ist die Entfremdung des Menschen von Gott. Versöhnung: Das ist die Aufhebung der Widersprüche. Mit "Mein Sohn" redet Jesus den Menschen an. Damit ist das Ziel gesagt. Deshalb begnügt sich Diakonie nicht mit dem Feststellen der Widersprüche, sondern arbeitet an ihrer Überwindung. Wir müssen sehen, dass das in den Konflikt führt. Diakonie bedeutet Konfrontation. Die Pharisäer wittern Gotteslästerung und denken kaum hat alles begonnen bereits an sein Ende. Jesus aber führt die Logik des Verstehens ein: "Was ist leichter zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf"?. Eben! Oder besteht zwischen Versöhnung und Aufstehen keine Alternative? Jedenfalls sagt der, der die Vollmacht hat: "Stehe auf". Diakonie bleibt nicht bei der Überlegung stehen. Der Liegende steht auf. Da werden sie alle ganz schön gekuckt haben. Es bleibt übrigens nicht bei dieser einen Aufstehung. Das werden wir sehen. Am Ende aufrecht gehen, auf das Recht Gottes zu gehen: So soll es sein, so wird es sein. |
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Wolfgang Petrak, Pastor in der St. Petrigemeinde Weende
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