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An(ge)dacht April 2008

Du sollst den Sonntag heiligen

Vor vielen Jahren kam ein Schmiedegeselle auf seiner Wanderschaft in eine Werkstatt, in der sehr fleißig gearbeitet wurde. Das war ihm recht, denn er arbeitete gern. Als aber der Sonntag kam und das Hämmern nicht aufhörte, war er missmutig. Er wäre gern in die Kirche gegangen. Sein Meister aber wollte, dass auch sonntags gearbeitet wird.
Für den Gesellen war das Leben ohne Sonntag wie eine Suppe ohne Salz. Darum fasste er sich ein Herz und bat den Meister: "Ich kann ohne Gottes Wort nicht bestehen. Gebt mir darum am Sonntag frei!" Der Meister sagte: "Das geht nicht! Wenn ich dir frei gebe, wollen alle sonntags nicht arbeiten." Darauf erwiderte der Geselle: "Mir geht die Arbeit in der Woche viel besser von der Hand, wenn ich sonntags in der Kirche war."
Das kam dem Meister wunderlich vor. Er besann sich und sprach: "Meinethalben geh' in die Kirche! Eins aber bedinge ich mir aus: Wenn viel zu tun ist, musst du auch am Sonntag auf dem Platze sein!"
Froh eilte der Geselle in die Kirche. So einen schönen Tag hatte er seit langem nicht mehr gehabt. Die Predigt und der Gesang hatten ihm für die ganze Woche Kraft gegeben. Als aber der nächste Sonntag an den Himmel kam, sagte der Meister: "Es ist viel zu tun. Heute musst du in der Werkstatt bleiben!" – "Gut!" antwortete der Geselle, "wenn es nicht anders sein kann."
Am Sonntag darauf zahlte der Meister den Wochenlohn aus. Als der Geselle sein Geld gezählt hatte, schob er dem Meister einen Teil davon wieder hin und sagte: "Das ist zuviel!" – "Warum?" fragte der Meister. "Es ist für sieben Tage." Der Geselle aber erwiderte: "Für den Sonntag nehme ich kein Geld, denn der Sonntag ist nicht zum Geldverdienen geschaffen. Wenn ich am Sonntag arbeite, so geschieht es nur euch zuliebe. Bezahlen könnt ihr das nicht." Da sah der Meister den Gesellen groß an.
Seit dem Tag war die Schmiede jeden Sonntag verschlossen und kein Hammer und Blasebalg mehr zu hören.

aus: Lesebuch "Das weite Tor", hrsg. v. A. Blumenthal u.a.,
Schroedel-Verlag Hannover 1958, S. 243 (Verfasser unbekannt)

Der Sonntag gibt Kraft für die neue Woche. Ob Gottesdienst, Wanderung, Spielenachmittag oder Zeit für Lektüre und Gespräch – der Sonntag gibt Raum, um für die Woche aufzutanken. Der Sonntag ist eine lebensnotwendige Atempause für uns Menschen. Oder um es mit Albert Schweitzer zu sagen: "Wenn deine Seele keinen Sonntag hat, dann verdorrt sie."

aus: Zehn Argumente für den arbeitsfreien Sonntag
(www.ekd.de/sonntagsruhe)

Thorsten Rohloff, Pastor in den Kirchengemeinden Christophorus und St. Petri Weende, Göttingen

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