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An(ge)dacht Juni 2008

"Ich bin dann mal weg!"

Wir sind immer unterwegs: Zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen, zu Oma, zu Freunden.
Wir sind immer unterwegs: Beim Pilgern, beim Nordic Walking, beim Wandern, beim Inliner fahren.
Wir sind immer unterwegs: Mit dem Auto, mit dem Fahrrad, mit dem Roller, mit dem Rollator, auf den Beinen.
Schnell noch einen Coffee-to-go, schnell noch eine Bratwurst, schnell noch ein Eis, schnell noch ein belegtes Brötchen. Schnell noch mal mit dem Handy telefonieren oder eine SMS schreiben.
Alles im Gehen. Nur keine Zeit verlieren denn der nächste Termin erwartet uns schon.
Und weiter geht's: "Ich bin dann mal weg!"
Mir geht meine Eile und die der Anderen auf die Nerven. Mich beschleicht das Gefühl, dass ich vieles nur noch halb mache, weil ich gleichzeitig schon mit etwas anderem beschäftigt bin: Kaffeetrinken und Gehen, Telefonieren und Radfahren (obwohl das verboten ist), am Computer arbeiten und ein Brötchen essen (mit Krümeln in der Tastatur, das knirscht so schön).
Was hält mich davon ab, nur eine Sache zurzeit zu machen,  mich dafür aber ganz auf das Eine zu konzentrieren? Könnte ich etwas verpassen? Habe ich Befürchtungen, dass ich nicht alles schaffe, was ich schaffen sollte? Wer sagt mir, was ich schaffen soll? Und: Was passiert wirklich, wenn ich es heute nicht zu Ende bringe? Eine Katastrophe?
Mir tut es gut, wenn ich ein paar Mal am Tag inne halte und die Welt an mir vorüber ziehen lasse. Ich mache dann einfach für ein paar Minuten am Schreibtisch die Augen zu, gehe nach draußen und beobachte das Gras beim Wachsen, oder die spielenden Kinder auf dem Schulhof nebenan. Neuerdings schaue ich auch in die Bibel, online, auf dem Computer (www.losungen.de) und lasse mit geschlossenen Augen meine Gedanken um die Worte und die entstehenden Bilder schweifen. Es tut mir gut, einen Moment aus dem Hamsterrad des Alltags zu klettern. Das Schönste daran aber ist, dass sich deswegen noch nie jemand bei mit beschwert hat. Versuchen Sie es auch einmal, es geht: Nur Kaffee trinken, nur telefonieren, nur Bratwurst essen, nur an einer Sache arbeiten, nur Pause machen. Legen Sie den Anderen einen Zettel hin: "Ich bin dann mal kurz weg!"

Ein Mann wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so glücklich sein könne.
Er sagte:
"Wenn ich stehe, dann stehe ich,
wenn ich gehe, dann gehe ich,
wenn ich sitze, dann sitze ich,
wenn ich esse, dann esse ich,
wenn ich liebe, dann liebe ich..."
Dann fielen ihm die Fragesteller ins Wort und sagten:
"Aber das tun wir doch auch!"
Er aber sagte zu ihnen:
"Nein –
wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon,
wenn ihr steht, dann lauft ihr schon,
wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel."

Uwe Wendelborn, Diakon in St. Petri Weende

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