An(ge)dacht April 2009
Wenn er da ist... |
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| Eine kleine Radierung kann manchmal mehr ausdrücken als ein großes Gemälde. Diese hier ist mir ans Herz gewachsen. Sie stammt von Rembrandt, im Original nur halb so groß wie eine Postkarte, entstanden im Jahre 1659. Im Mittelpunkt der Skizze kniet ein Mann, neben ihm ein Engel, an den großen Flügeln deutlich zu erkennen. Die originale Bildunterschrift weist uns nach Gethsemani: "Meine Seele ist zu Tode betrübt" so spricht Jesus zu seinen Freunden Petrus, Jakobus und Johannes, die er mitgenommen hatte in den Garten in der Nacht. Im Bild sind sie links unten kaum zu erkennen, blass, kaum präsent: Im Evangelium muss Jesus feststellen, dass sie trotz seiner flehentlichen Bitte mit ihm zu wachen, einfach eingeschlafen sind. Auf einen "Garten" weist bei Rembrandt nichts hin, eher ist es, als ob Jesus auf einem Weg hockt. Im Hintergrund dunkel drohend eine Mauer, eine Burg? Jerusalem, die hochgebaute Stadt, der Ort Jesu Leidens und Todes türmt sich hier auf am Horizont. Jesus selbst ist mit ein paar Strichen charakterisiert. Hell sichtbar sein Gesicht, die Augen geschlossen, der Kopf leicht zur Seite geneigt, in den angewinkelten Arm gelegt. Er wirkt traurig, aber gelassen, beruhigt von dem Engel? Der kniet bei ihm, hat seinen Arm um den Knieenden gelegt, sehr freundschaftlich, sehr vertraut, sehr zugewandt und tröstend. Nur im Evangelium des Lukas wird erzählt, wie der Engel zu Jesus kommt in der Stunde des Gebets und vermutlich handelt es sich um eine späte Ergänzung des Textes: "Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn". Mir ist dieser stärkungsbedüftige Jesus sehr nahe, viel näher als manche hoheitsvolle Darstellung seiner Herrlichkeit: Jesus der Mensch. Und diesem kleinen Druck gelingt es meisterhaft, mit wenigen Strichen seine Menschlichkeit festzuhalten, seine Trostbedürftigkeit, aber auch seine Bereitschaft sich trösten zu lassen und schließlich das Unannehmbare anzunehmen. "Lass diesen Kelch an mir vorüber gehen! Aber nicht was ich will, sondern was du willst geschehe." Ich kann das oft nicht sagen. Ich mag nicht hinnehmen, dass Menschen leiden, auch nicht, wenn ich leide. Ich bin nicht stark. Aber auch Jesus musste mit sich ringen, mit Gott ringen. Und wer auch immer dies ergänzt hat, wusste: Jesus brauchte diesen Engel um zur Gelassenheit zu finden, um zulassen zu können, was geschehen sollte. Stark sein, das braucht manchmal einen Zuspruch von außen, den Engel. Hoffentlich spüren wir, wenn er da ist. |
Sie kamen zu einem Garten, aus dem Evangelium |
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Dr. Marc Wischnowsky, stellvertretender Superintendent
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