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An(ge)dacht November 2009

"Passt auf euch auf. Fahrt vorsichtig.
Zieht euch warm an und vergesst nicht anzurufen!"

Die Kinder fahren weg, zum ersten Mal ohne erwachsene Begleitung. Grund zur Sorge für die Mutter. Sie gibt ihnen noch einen Strauß guter Ratschläge mit. Dabei weiß sie genau: Sie werden zügig fahren, sie werden abenteuerliche Dinge tun, sie werden den warmen Pullover die ganze Zeit über nicht auspacken und natürlich vergessen sie anzurufen. Vielleicht rufen sie sogar einmal an, weil sie das Geld verloren haben: "Kannst du uns bitte, etwas schicken." Natürlich kann sie. Denn sie liebt ihre Kinder. Deshalb hat sie sie auch ermahnt. Sie weiß, dass man ihnen nicht in der Sekunde des Abschieds wichtige Lehren vermitteln kann. Aber sie ermahnt, weil sie darin ihre Sorge um die geliebten Kinder ausdrücken kann. Loslassen ist schwierig.
Das ging auch dem Paulus so. In seinen Briefen an die Gemeinden kommen am Schluss immer die Ermahnungen: "Haltet Frieden untereinander. Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, dass keiner dem anderen Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann. Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass." (1.Thessalonicher 5,13-17)
Er weiß auch, dass sie sich streiten und das weiterhin tun werden. Das zeigt sich schon daran, dass Ermahnungen immer wiederholt werden. Durch sie wird nichts grundsätzlich gebessert. Aber die herzliche Verbundenheit wird daran deutlich. Paulus hat, wie eine besorgte Mutter, den herzlichen Wunsch, es möge gut gehen mit ihnen, und die Ermahnungen wollen dazu beitragen.
Dabei hilft nur der Segen Gottes, das weiß Paulus. Ermahnungen – ob sie nun nicht befolgt werden oder erstaunlicherweise doch – nützen nichts, wenn Gott nicht wacht mit seinem Schutz und Segen. Deshalb endet jeder Paulusbrief nach den Ermahnungen mit einem Segenswunsch und Segenszuspruch: "Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!" (2.Korinther 13,13)
Das wäre auch ein Rezept für die liebende und besorgte, abschiedsschmerzliche Mutter. Sie braucht die Kinder nicht umfassend zu ermahnen, sondern kann auf die von ihr selbst bereits geleistete Erziehung vertrauen und auf den guten Charakter der Kinder.
Sie kann aber Gott dringlich ermahnen: Segne sie, behüte sie, begleite ihren Weg, bewahre sie vor Unfällen und Gefahr, bring sie gesund wieder nach Hause, hilf ihnen, ihre Erfahrungen zu machen und selbständig zu werden.
Statt sie zu ermahnen, kann sie die Kinder in die Ermahnung Gottes mit hineinnehmen. Dann wachsen sie auch im Glauben heran. Dazu müssen sie lernen, an wen sie sich immer wenden können, auch wenn sie die Mutter nicht greifbar haben, und wen anzurufen sie nie vergessen sollten. Der Segen kommt mit deutlich weniger Worten aus als die Ermahnungen. Er wird die Kinder nicht so nerven!
"Gott segne dich und behüte dich auf deinen Wegen. Amen."

Gräfin Amélie zu Dohna,
Pastorin in der Stephanusgemeinde, Göttingen-Geismar

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