|
"Ich weiß", ...
... sagt er zu ihr. "Bei mir ist das auch so." Dann erzählt er von sich, wie schlecht es ihm ging, wie sehr er sich angestrengt hat, wie er sein Leben in den Griff bekommen hat.
Sie zieht sich in sich selbst zurück. "Er weiß überhaupt nicht", denkt sie. "Er weiß nicht, wie es mir geht. Er will es gar nicht wissen, er hört mir ja nicht zu. Nur von sich erzählen will er. Wahrscheinlich weiß er noch nicht einmal, wie es ihm selbst geht, denn er hört auch in sich selbst nicht hinein."
"Ich weiß", sagt ein anderer zu ihr. Dann schweigt er. Und sie erzählt.
Sie fühlt sich verstanden. Er weiß. Zumindest weiß er, dass sie es loswerden muss. Er hat nicht genau ihre Erlebnisse gehabt, aber er weiß, wie es ist, wenn das Herz voll ist von Freude oder Kummer und der Mund überfließt. Er weiß, deshalb schweigt er.
"Ich weiß", sagt Jesus. Dann schweigt er. Wir können reden.
Er kennt uns. Nicht, weil er genau dasselbe erlebt hat wie wir.
Aber er hat Freude und Schmerz am eigenen Leibe und im eigenen Herzen gefühlt. Er weiß. Wir können zu ihm kommen mit allem, es ihm anvertrauen.
Was willst du, dass ich dir tun soll?
So fragt er oft, wenn Kranke zu ihm kommen.
Horche in dich hinein.
Was willst du für dein Leben, was willst du von ihm?
Er fragt dich.
Er lässt dir Zeit, dein Herz zu erforschen und es ihm hinzuhalten,
mit allen Worten und Tränen und allem Jubel, der da herausquillt.
Er weiß weiß, dass du es sagen musst oder nicht sagen kannst.
Er kennt dich besser, als du dich selbst kennst.
Aber er macht dir keine Vorschläge.
Er weiß, die helfen nicht.
Er gibt keine Ratschläge.
Er weiß, die schaffen Abstand, zwischen dem Ratenden und dem Geschlagenen.
Er ist nah bei dir und lässt dich spüren, dass er weiß, wie es dir geht, wenn kein Rat hilft.
Nur einer kann helfen. Er hört.
Er fragt dich: Was willst du, dass ich dir tun soll?
|