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Ephoralbericht 2004 von Superintendent Dr. Wolf-Dietrich Köhler

Das Neue Testament gebraucht für Kirche ein anschauliches Bild: das vom Leib Christi, an dem die verschiedenen Glieder unter einem Haupt vereint zusammenwirken zu einem organischen Ganzen. Dabei ist wichtig, dass sich die einzelnen Glieder nicht nur gegenseitig ergänzen, sondern dies bezogen auf ihr Haupt, Jesus Christus tun.
Wichtig ist dabei, dass nicht alle alles tun können oder tun müssen, sondern dass einzelne dabei voneinander sehr verschiedene Aufgaben wahrnehmen. Sie werden zusammengehalten durch den Bezug zu dem einen Haupt Christus und der Leib als ganzer dient dem Aufbau der Gemeinde.
So ist auch ein großer Kirchenkreis nicht der Leib Christi, sondern nur ein Teil an ihm, und er soll dem ganzen Leib dienen und selbst in engem Bezug auf sein Haupt, Jesus Christus, existieren.
Nach dem Neuen Testament hat die christliche Gemeinde, wenn man die Apostelgeschichte liest, die Aufgabe, gemeinsam zu Gott zu beten und ihn zu loben, auf sein Wort zu hören, füreinander und für andere da zu sein und andere zu diesem Glauben einzuladen. Oft übergehen wir das gemeinsame Gebet und Gotteslob und das Hören auf Gottes Wort und wenden uns anderem zu, wenn wir die Aufgaben der Kirche heute beschreiben. Vom Neuen Testament her gesehen tun wir nicht gut daran.
Gemeinsam zu Gott zu beten und ihn loben, auf sein Wort hören – das tun wir unter anderem und ich denke vorrangig in unseren Gottesdiensten.
Entgegen manchen Klagen und vielen Unkenrufen ist hier vor Ort sehr vieles doch noch sehr in Ordnung. Die Besucherzahlen halten sich insgesamt, und nehmen vor allem bei besonderen Gottesdiensten kräftig zu:
So gab es zum Erntedankfest im Jahre 2003 6591 Besucher, gegenüber 5322 im Jahre 2002 (das sind 23%); auch am 1. Advent sind deutlich mehr Besucher zu verzeichnen: 4137 im Jahre 2003 gegen 3767 im Jahr davor (9%). Leicht rückläufig ist der Gottesdienstbesuch am Karfreitag: 2003 (mit 2982) 11 weniger als 2002 (2993) (0,36%). Dagegen nehmen die Besucherzahlen an einem völlig "normalen" Sonntag zu Beginn der Passionszeit (Invokavit) deutlich ab: im Jahre 2003 300 weniger als im Vorjahr (2219 im Jahre 2002 gegen 1916 im Jahre 2003) (13%).
Sehr guten Zuspruch finden besondere regionale Gottesdienste, die zunehmend und nicht nur zu Himmelfahrt gefeiert werden. Wird der Rahmen zu groß gespannt, ist es schwierig, Leute zusammenzubekommen, ein Beispiel dafür ist der Eröffnungsgottesdienst zur Woche der Diakonie im letzten September in der Johanniskirche, der nicht gut besucht war.
Gerade für so genannte "Halbdistanzierte" ist die Kirchenmusik ein wichtiger Punkt des Kontaktes zur Kirche. Laut Stellenplan und auch de facto finanziert der Kirchenkreis vier halbe hauptberufliche Kirchenmusikerstellen.
Eine, von unseren Kirchenmusikerinnen und -musikern gemeinsam zum dritten Mal mit großem Erfolg durchgeführte Veranstaltung ist die jährliche Orgelradtour im August/September, die gerade am Sonntag unter Beteiligung von fast 100 Teilnehmenden wieder stattgefunden hat.
Unser intensiver und ja auch im Stellenrahmenplan zum Ausdruck gebrachter Wunsch ist es, dass im Rahmen der Kirchenmusik auf Kreisebene auch Angebote gemacht werden, die unter den Oberbegriff Popularmusik fallen.
Im Bereich der Lektorenausbildung hat sich in unserem Kirchenkreis Erfreuliches getan; kurz vor dem Abschluss steht die Ausbildung von neun Lektorinnen und Lektoren im Bereich des ehemaligen Südkreises, in die Frau Baumann als Prädikantin und Herr Pastor Stolz viel Zeit und Ideen investiert haben; so haben wir bald insgesamt 28 Lektoren und 14 Prädikanten im Kirchenkreis.
Nicht nur neue Lektoren gibt es, auch an anderen Stellen ist von Veränderungen zu berichten. Über Veränderungen bei Pastoren hat regelmäßig Frau Schmidt-Glawatz informiert (Pastor Reuter in Frieden, Pastorin Harms in Christus). Neu ist auch, dass uns Herr Pastor Wolfgang Schillak zum 15.8. mit einer halben Stelle zur Mitarbeit im Kirchenkreis zugewiesen ist. Bis August hatte er in der Kreuzkirchengemeinde die Elternzeitvertretung für Frau Pastorin Keske übernommen. Bis zur Gesundung von Pastor Mehrtens wird er mit Pastor Thiel zusammen in Holtensen, Elliehausen und Esebeck die Vertretung übernehmen.
In der Kreuzkirchengemeinde konnte Pastor Lönneker im Zuge der 60er-Regelung seinen dreiviertel Dienstauftrag um eine Viertelstelle aufstocken. Eine andere Aufgabe übernimmt Frau Pastorin Wiese, die ab 1.9. nicht mehr in Parensen und umzu zum Einsatz kommen soll, sondern im Landeskrankenhaus in Göttingen.
Der Pastor im Ehrenamt Ulf-Peter Irmer, hat zum April eine Anstellung als pädagogisch-theologischer Mitarbeiter im Stift Alt Bethlehem gefunden.
Zum 1. März hat für Frau Lühmann, die Sekretärin der Superintendentur, die Freistellungsphase der Altersteilzeit begonnen. Ihre Nachfolge haben angetreten Frau Michel-Röder und Frau Prinzhorn, die sich die Stelle teilen. Damit ist in der Superintendentur eine halbe Stelle weggefallen als unser Beitrag zu den nötigen Stellenstreichungen. Das Büro ist ansprechbar werktags vormittags zwischen 9 und 12 Uhr, ansonsten bin ich gut über Anrufbeantworter zu erreichen.
Doch noch einmal zurück zu den Lektoren und Gottesdiensten:
Mit so vielen Lektoren kann man viele Gottesdienste anbieten, und das ist gerade angesichts reduzierter Pfarrstellen gut und wichtig; dabei hängt die Qualität eines Gottesdienstes nun ja nicht hauptsächlich von der Zahl der Gottesdienstbesucher ab. Dennoch bitte ich zu überlegen, ob nicht sehr gering besuchte Gottesdienste zusammengelegt und mit Nachbargemeinden zusammen gefeiert werden können. Bei unseren jüdischen Geschwistern gibt es die Regel, dass zehn Leute da sein müssen, damit ein Gottesdienst gefeiert werden kann. Ich finde diese Regel sehr nachdenkens- und nachahmenswert.
Der Gottesdienst ist einer der möglichen Punkte für Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinden, aber durchaus nicht der einzige. Konfirmandenunterricht ist zum Beispiel ein weiteres Feld, das auch immer mehr unter den Pflug genommen wird. Erster Einsatzpunkt sind oft gemeinsame Konfirmandenfreizeiten.
Sehr weit gediehen – sogar bis hin zu einem Kooperationsvertrag und einer Kooperationsvereinbarung – ist die Zusammenarbeit in den Gemeinden der Weststadtregion (Bethlehem, Christus, Frieden); nachmachen ist erwünscht, und man kann die Gemeinden gerne diesbezüglich ansprechen.
Zusammenarbeit anderer Art passiert in den Gemeinden Thomas auf dem Leineberg und Holtensen, Elliehausen, Esebeck: diese Gemeinden teilen sich die in der Thomasgemeinde angestellte Diakonin, Frau Gisela Sweers und haben diesbezüglich eine Vereinbarung abgeschlossen, die im August nach einem Jahr Erprobung jetzt erst einmal verlängert worden ist.
Intensive Überlegungen zur Zusammenarbeit laufen auch in der Region Nord/Nord. Dort sind Pfarrstellen besetzt oder werden versehen in Nörten, Lenglern sowie Gladebeck und Harste; es muss überlegt werden, wie Parensen und Lütgenrode angemessen mitversorgt werden.
Die Regionale Zusammenarbeit wird für uns im Kirchenkreis ein aktuelles Thema bleiben; der Kirchenkreisvorstand hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die zusammen mit der Region Gleichen in nähere Überlegungen eingetreten ist.
Eine Art Gesundheitscheck oder auch eine Art Vorsorgeuntersuchung für den Organismus Kirchengemeinde wird von den Kirchengemeinden zusammen mit dem Visitator alle sechs Jahre bei der Visitation vorgenommen. Im Berichtzeitraum wurden visitiert
- die Corvinusgemeinde von mir,
- die Kirchengemeinden Adelebsen und Nörten von Herrn Steinberg,
- die Mariengemeinden in Göttingen und
- der Gemeindeverbund Radolfshausen von mir;
derzeit werden
- Bremke/Bischhausen/Weißenborn von Frau Wackenroder und Herrn Steinberg und – die Christophorus-Kirchengemeinde Göttingen von mir visitiert.
Ein Haupteindruck bei Visitationen: ganz gleich, ob der Pastor schon sehr lange da ist oder erst ganz kurz: gut läuft es immer dann, wenn Hauptamtliche und Ehrenamtliche in guter Ergänzung zueinander arbeiten. Das Bild vom Leib Christi ist eben nicht einfach nur ein Bild, sondern es spricht von einer guten und heilsamen Wirklichkeit.
Die pfarramtliche Arbeit ist in den visitierten Gemeinden sehr unterschiedlich strukturiert: da gibt es Stellenteilung einer ganzen Stelle durch ein Ehepaar, da gibt es das klassische Einzelpfarramt oder das verbundene Pfarramt im Gemeindeverbund. Erfreulich gut läuft das Radolfshäuser Modell: Dort gibt es 1 1/2 Pfarrstellen, die mit Herrn Steingräber (ganze Stelle) und Herrn Ocken (halbe Stelle) besetzt sind. Herr Ocken macht abwechselnd eine Woche Dienst und eine Woche frei, in der er dann von Herrn Steingräber vertreten wird. So ist immer ein Ansprechpartner im Pfarramt vorhanden. Für Wochen hoher Festtage gibt es Sonderregelungen.
In der Westregion der Stadt (Bethlehem, Christus, Frieden) mit zwei halben und einer ganzen Stelle soll jetzt für die halben Stellen nach dem gleichen Prinzip verfahren werden.
Viel weniger wichtig als in den Kirchengemeinden sind Pastorinnen und Pastoren bei den Kreisfrauentreffen, die federführend von Ehrenamtlichen vorbereitet und durchgeführt werden. Angesichts des zahlenmäßigen Zuspruchs ist es gut, dass es zwei Kreisfrauentreffen gibt: eines für Süd im Oktober, eines für Nord im November.
In der Stadt Göttingen gibt es keine derartige Tradition.
Man merkt an den beiden Frauentreffen, dass ein organisches Miteinander in einem großen Kirchenkreis nicht bedeuten muss, dass es übergreifende Veranstaltungen nur einmal geben darf – so wie im Bild gesprochen ein Körper ja auch gut verkraften kann, zwei Hände zu haben.
Ein gutes Beispiel für das Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamtlichen ist die Arbeit der Gruppe INTEGra, die in Holtensen angesiedelt ein kreisweites Einzugsgebiet hat und viel für das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten tut; die Ehrenamtlichen sind hier organisiert in einem Verein.
Neu konstituiert hat sich gerade der Kreisjugendkonvent, der auch geprägt ist durch das Miteinander von Ehren- und Hauptamtlichen; von hauptamtlicher Seite aus bringen sich in die Kreisjugendarbeit auch unsere Schulpastoren, Herr Wischnowsky und seit August letzten Jahres Frau Fuchs ein; auch durch diese beiden hat sich das Verhältnis von Kirche und Schule intensiviert.
Mit halber Stelle ist einer unserer beiden Kreisjugenddiakone, Herr Overdick, im Bereich Internet/Onlinepublikationen tätig. Kurz vor dem letzten Ephoralbericht haben wir mit der Internetpräsenz begonnen; inzwischen ist das ganze gut am Laufen und eine prima Möglichkeit, sich über Kirchenkreis, Gemeinden und Einrichtungen sowie über Veranstaltungen und anderes Aktuelles zu informieren. Im Monat Juli, also weitgehend in den Ferien, gab es immerhin 7455 Zugriffe auf unsere Seiten. Damit kann man sehr zufrieden sein.
Geht man zur Zeit ins Internet auf die Seite ev.-luth. Kirchenkreis Göttingen, kommt man durch Klicken auf der Startseite rechts zu einem kommenden Großereignis: dem Tag der Ehrenamtlichen am 30.10. Bei Anmeldeschluss am 15. August hatten wir die sehr gute Zahl von 430 Anmeldungen, die inzwischen noch einmal tüchtig hochgegangen ist (568 derzeit). Ich freue mich schon auf diesen gemeinsamen Tag.
Von diesem erst einmal einmaligen Event nun wieder zu dem, was jeden Tag den Alltag vieler Kirchengemeinden mitbestimmt: den Kindertagesstätten. Sie sind, das merke ich auch bei Visitationen, ganz wichtig für die Weitergabe von Glaubensinhalten.
Auf Kirchenkreisebene gibt es den KiTa-Ausschuss unter dem Vorsitz von Frau Pastorin Reichardt. Hier ist in letzter Zeit viel in Bewegung; Qualitätsentwicklung ist nur eins der Stichworte. Es werden Info-Veranstaltungen und Workshops angeboten und durchgeführt.
Die Verhandlungen mit der Stadt Göttingen über das neue Finanzierungssystem sind immer noch nicht abgeschlossenen; in den Kommunen im ländlichen Raum haben wir weitgehend noch Verträge, nach denen die Kommune das Defizit übernimmt – ein angemessener Ausdruck der Letztverantwortung für diesen Bereich. In Göttingen wurde bisher im wesentlichen pauschal pro Gruppe gezahlt; nun soll es eine auf das einzelne Kind, das den Kindergarten besucht, bezogene Zahlung geben, die sehr leicht dazu führen kann, dass eine Gruppe, die nur noch 22 Kinder hat, nicht mehr angemessen zu finanzieren ist – denn die Erzieherinnen müssen ja in jedem Fall bezahlt werden, ganz gleich, wie groß die Gruppe ist.
Aufgrund sinkender Kinderzahlen ist es in letzter Zeit an Kindertagesstätten zu Gruppenschließungen gekommen. Wir vom KKV sind uns mit der Mitarbeitervertretung einig, dass im solidarischen Zusammenwirken aller betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermieden werden sollen. Dazu ist ganz wichtig der rechtzeitige Kontakt nicht nur des Trägers mit der MAV, sondern auch auf Leiterinnenebene. Nicht jede Person passt überall hin, aber fragen, ob nicht jemand eventuell passt, sollten wir auf jeden Fall.
In der Zusammenarbeit mit der MAV hat der KKV in letzter Zeit mehrfach gespürt und erfahren, dass wir innerhalb einer Dienstgemeinschaft zum Wohle aller zusammenarbeiten wollen, und ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir weitere Erfahrungen in dieser Richtung machen. Das ist gerade angesichts knapper werdender finanzieller Mittel besonders wichtig.
Was Einstellungen generell betrifft, wünsche ich mir, dass unsere Gleichstellungsbeauftragten, Frau Wolters und Frau Kohrs, hierbei und auch sonst noch mehr in Anspruch genommen werden. (Tel. 3066884, Wolter 78337, Kohrs 8859)
Die knapper werdenden Mittel spüren wir auch im Bereich unserer diakonischen Arbeit. Hier sind es nicht so sehr die kirchlichen, als vielmehr auch und gerade die öffentlichen Mittel, die wegbrechen. Zu "Hilfe im Alltag" haben wir gerade etwas gehört.
Spannend sind die Finanzierungsverhandlungen und –bemühungen auch bei der Neuen Arbeit Brockensammlung, die dieses Jahr 20jähriges Bestehen feiern konnte, oder auch beim Migrationszentrum. Auch bei den Sozialstationen sind die Zeiten, in denen man Rücklagen bilden konnte, endgültig vorbei.
Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im diakonischen Bereich danke ich von Herzen für ihre oft aufopferungsvolle Arbeit, dabei besonders Herrn Kühle als Geschäftsführer unseres Diakionieverbandes
Im Februar haben wir es geschafft, mit großer Mehrheit einen Stellenrahmenplan für die Jahre bis Ende 2008 zu verabschieden. Er liegt in Hannover zur Genehmigung vor, nachdem bezüglich der Umsetzung noch einiges zu klären gewesen war. Ich habe von unserem diesbezüglichen Besuch in Hannover auf dem letzten Kirchenkreistag kurz berichtet.
Im Unterschied zu möglicherweise abweichenden Meinungen, von denen zum Teil auch in Leserbriefen zu lesen war, möchte ich von mir aus noch einmal betonen, dass – so sehr dieser Stellenrahmenplan auch harte und tief einschneidende Änderungen vorsieht – er doch in einem fairen und demokratischen Prozess vom Stellenplanungsausschuss erarbeitet und vom Kirchenkreistag mit einem eindeutigen Ergebnis verabschiedet worden ist. Nicht weil einzelne Personen bestimmte Dinge so gewollt oder nicht gewollt hätten, sondern weil wir alle das mehrheitlich so beschlossen haben, gibt es, diesen Stellenrahmenplan so, wie er nun einmal ist, umzusetzen. Für die Stelle in Erbsen übrigens haben wir jetzt auch schriftlich die Zusage aus Hannover, dass die uns vorschwebende Finanzierung aus der 60er-Regelung wie beschlossen greifen kann.
Die aktuelle finanzielle Situation unserer Landeskirche ist dramatisch schlecht. So führen landeskirchliche Einnahmeverluste durch die Kirchensteuerentwicklung zum Beispiel dazu, dass das in 2004 auf die Hälfte gekürzte Weihnachtsgeld für die Pastoren und Kirchenbeamten im Jahre 2005 sehr wahrscheinlich völlig wegfällt.
Gekürzte Zuweisungen bei den Bau- und Sachkosten können wir dieses Jahr im Kirchenkreis noch durch Eigenmittel ausgleichen, das wird für 2005 wohl nicht mehr zu machen sein.
im Jahre 2009 und 2010 wird es, soviel ist jetzt schon klar, zusammen 10% Personalkürzungen geben müssen. Wir wollen mit den diesbezüglichen Überlegungen die Gemeinden derzeit noch nicht belasten – nach dem Motto, der morgige Tag oder die kommenden Jahre werden ihre Sorge haben. Der Stellenplanungsausschuss wird sich bald daransetzen und erste Vorschläge erarbeiten. Deutlich ist allerdings, dass wir bei Stellenbesetzungen, die auch für 2009 und 2010 Auswirkungen haben, schon jetzt aufpassen müssen.
Bis Anfang 2009 haben wir aber in den meisten Fällen erst einmal noch eine ganze Reihe von Jahren Zeit, und ich mache in vielen Kirchengemeinden die Erfahrung, dass ganz neuer und frischer Wind in die Arbeit kommt, wenn es endlich auch einmal um andere Themen als um die Stellenplanung geht.
Schon jetzt herangehen sollten wir an die Frage, wie wir mit unseren Gebäuden umgehen. Nicht in allen Fällen wird bei Kirchen eine Instandhaltung im bisherigen Ausmaß sinnvoll sein; wir müssen gut überlegen, von welchen Gebäuden wir uns aus Kostengründen lieber schnell trennen. Meines Erachtens sollte unser Bauausschuss sich baldmöglichst mit diesen Fragen befassen.
Je länger je mehr, so sieht es aus, werden die Personalmittel unserem Kirchenkreis von der Landeskirche primär pro Kopf zugewiesen. In diesem Zusammenhang alarmierend sind die Mitgliedsverluste: im Kalenderjahr 2003 ist ein Verlust von 1.384 Kirchenmitgliedern zu beklagen. Dieser Verlust hat vielfältige Gründe und hängt mit der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung zusammen. Austritte gab es im Kalenderjahr 2003 nämlich nur 615, dabei 124 Eintritte – (im Jahr 2002: 640 Austritte und 134 Eintritte).
Im Zusammenhang knapper werdender Finanzen dringend nötig ist das kreative Erschließen neuer Geldquellen, also auf neudeutsch Fundraising. Dazu bieten Frau Freimann und Herr Steinberg gemeinsam eine Fortbildung an, bei der noch einige wenige Plätze frei sind.
Gott sei Dank gibt es in unserer kirchlichen Arbeit vieles, was sich keiner für Geld kaufen kann. Ich denke da zum Beispiel auch an die lebendigen Begegnungen im Rahmen unserer überseeischen Partnerschaften: sie zeigen und, dass der Leib Christi weit über unsere Hannoversche Landeskirche hinausgeht. im August bis Anfang September war eine achtköpfige Delegation aus Nicaragua hier zu Besuch, und in den Osterferien hat eine größere Delegation Xingú in Brasilien besucht.
Alle Partnerschaften unseres Kirchenkreises – wozu noch die Südindienpartnerschaft unter Leitung von Frau Biefreund gehört – wollen sich beim Kirchentag auf einem gemeinsamen Stand beim Markt der Möglichkeiten präsentieren. Ebenfalls deutlich vertreten sein wird unser Kirchenkreis hoffentlich auf dem Abend der Begegnung; dazu fand gestern eine Koordinationssitzung statt.
Die de facto nicht mehr existierende Kirchenkreispartnerschaft mit dem inzwischen auch zusammengelegten Kirchenkreis Chemnitz wollen wir nach Rücksprache mit den Chemnitzern nicht wieder aufleben lassen. Wir freuen uns über einige lebendige Partnerschaften auf Gemeindeebene, stellen aber im übrigen mit diesem Jahr die Kirchenkreiszahlungen nach Chemnitz ein.
Auf neues Terrain begeben wir uns mutig und getrost mit fünf Projekten der nächsten und übernächsten Zeit; so wird in der Göttinger Innenstadt am Freitag, dem 17. September eine "Nacht der Kirchen" stattfinden: von 18 bis 24 Uhr, unter der Beteiligung der katholischen und baptistischen Kirche. Prospekte dazu finden sich auf den Tischen.
Ein Thema, das uns im Kirchenkreis unter anderem in Pfarrkonferenzen immer wieder beschäftigt hat in der letzten Zeit, ist das Thema Beerdigungs- und Friedhofskultur. Die Mitarbeit in einer vom Grünflächenamt der Stadt initiierten Arbeitsgruppe mündet aus in einen Tag des Friedhofs am Samstag, dem 18. September ab 11 Uhr auf dem Friedhof am Junkerberg, an dessen Vorbereitung und Durchführung von unserer Seite aus maßgeblich Frau Wackenroder und Herr Steinberg beteiligt sind.
Einen besonderen Gottesdienst für alle Interessierten im Kirchenkreis bieten wir am Sonntag den 14. November um 18 Uhr in der Johanniskirche erstmals an: eine Thomasmesse, ein Gottesdienst besonders für Leute mit vielen Zweifeln und Fragen. Mit Möglichkeit, ins Gespräch und zur Ruhe zu kommen. Ich selbst bin bei der Vorbereitung dabei; ich kenne die Thomasmesse aus Verden und kann sie Ihnen nur wärmstens empfehlen.
Mit dem Monat November soll es in der kleinen Sakristei der St. Jakobikirche eine Wiedereintrittsstelle in Göttingen geben: Donnerstags nachmittags und vielleicht auch noch Samstag vormittags soll die Möglichkeit bestehen, wieder in die Kirche einzutreten.
Ab dem Samstag vor dem 1. Advent wollen wir am Göttinger Marktplatz permanent mit einem Kiosk – dem ehemaligen Zeitungskiosk – für Kirchliche Inhalte und Angebote werben, also eine Art so weit wie möglich auch persönlich besetzter Litfasssäule. Gebracht hat uns auf diese Idee die Neue Arbeit Brockensammlung, die auch die nötige Herrichtung des zur Zeit demontierten Kioskes übernimmt.
Die beiden letzten Projekte wurden maßgeblich vom Öffentlichkeitsaussschuss vorangetrieben, dem ich – wie allen anderen Ausschüssen auch – für die geleistete Arbeit herzlich danke.
Im Rahmen meines Berichtes, der sich allmählich dem Ende zuneigt, noch ein persönliches Wort: den letzten Ephoralbericht habe ich im Mai 2003 gegeben – direkt vor dem Ausbruch meiner Erkrankung. Seit August 2003 habe ich stufenweise und stundenweise die Arbeit wieder aufgenommen, ab 1.1.04 dann zunächst im Rahmen einer normalen Arbeitswoche mit nicht mehr als 40 Stunden gearbeitet, war also zu diesem Zeitpunkt noch nicht belastbar wie vor meiner Krankheit. Die Medikamente, die ich zu diesem Zeitpunkt noch nehmen musste, werden laufend reduziert. Damit und dabei geht es mir sehr gut; der Reduzierungsprozess soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein.
Ich danke in diesem Zusammenhang und auch über diesen Zusammenhang hinaus ausdrücklich allen, mit denen ich in besonderer Weise zusammenarbeite: meinen Vertretern Frau Wackenroder und Herrn Steinberg, dem Kirchenkreisvorstand und hier besonders meiner Vertreterin, Frau Meyer, Frau Schmidt-Glawatz als KKT Vorsitzende und last not least dem Kirchenkreisamt.
Auch in Bezug auf die eben Benannten kommt es darauf an, dass wir uns entsprechend den jeweiligen Gaben ergänzen und bezogen auf das eine Haupt zusammenzuwirken auf das Ganze hin.
Ich komme zum Schluss:
Insgesamt stellt es sich mir so dar, dass die Kirchengemeinden und der Kirchenkreis in vielerlei Hinsicht auf gutem Wege sind. Wir sollten uns nicht kopfscheu machen lassen von denen, die uns ein schlechtes Gewissen machen wollen, indem sie sagen, es müsse alles anders werden, um endlich gut zu sein. Ganz vieles läuft sehr gut und ist Grund zum Dank an Gott. Die befreiende Botschaft von der Rechtfertigung allein aus Gnade darf sich auswirken auch auf unsere konkreten Planungen. Nicht dass wir "kundengerecht" einen perfekten Service abliefern, wird unsere Kirche erhalten, sondern dass Christus selbst als das Haupt seiner Gemeinde in ihr zum Zuge kommt. Wenn das geschieht, ist das werbewirksamer als jede Werbekampagne. Die Basis unserer Existenz ist nicht die Dienstleistung, die wir erbringen, sondern ist die unüberbietbare Dienstleistung, die Gott uns zuteil werden lässt. Gemeinde bauen können wir – wenn es denn effektiv geschehen und Gemeinde Jesu Christi sein soll – nur im Vertrauen auf ihn und im Anschluss an ihn als Haupt unserer Gemeinden.
Uns allen im Kirchenkreis Göttingen wünsche ich dafür, also für alles, was wir tun und lassen, einen klaren Kopf, ein fröhliches Herz und Gottes reichen Segen.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.